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Ist es im Büro zu heiß? Oder zu kalt? Sollte man das Fenster aufreißen und kräftig lüften? Oder die Klimaanlage höherstellen? Es gibt kaum ein größeres Reizthema in Büros, als die ideale Temperatur. Oder besser: als die als ideal empfundene Temperatur. Schließlich ist das Temperaturempfinden ein subjektives und jeder fühlt sich bei anderen Temperaturen wohl.

Wir haben uns davon allerdings nicht entmutigen lassen und uns auf die Suche nach etwas gemacht, was es vielleicht gar nicht gibt: die ideale Temperatur im Büro.

Die rechtliche Lage

Auf unserer Suche haben wir zunächst in den einschlägigen Gesetzen geblättert. Schließlich gibt es Regelungen, die vorschreiben, welche Temperaturen in Büros zulässig sind. In Italien ist es etwa das Dekret des Staatspräsidenten 74/2013, das in Büros (und übrigens auch in Schulen und Wohnungen) eine Temperatur von 20 Grad Celsius vorschreibt und zwei Grad Toleranz vorsieht. Sprich: von 18 bis 22 Grad Celsius im Büro ist für den italienischen Gesetzgeber alles ok.

Noch toleranter sind übrigens die Deutschen. Ihre Arbeitsstättenordnung sieht eine Temperatur von 19 bis 25 Grad im Büro vor. Alles darunter ist zu kalt, alles darüber zu heiß – rein rechtlich zumindest.

Man(n) arbeitet

Für den Gesetzgeber ist bei der Bestimmung der Raumtemperatur nicht nur die Frage nach der größten Effizienz ausschlaggebend, es zählen auch andere Überlegungen, nicht zuletzt der Energieverbrauch. Deshalb ist die juristische Herangehensweise auch keine, die uns bei der Suche nach der idealen Büro-Temperatur besonders weiterhelfen würde.

Deshalb haben wir uns den Stand der Wissenschaft angesehen. Die ersten Studien zu der aus dem Blickwinkel der Effizienz optimalen Raumtemperatur in Büros stammen aus den 1960er-Jahren. Die allermeisten legen die ideale Temperatur damals mit Hilfe groß angelegter Studien auf 20 bis 21 Grad Celsius fest. Bei diesen Temperaturen seien die größten Arbeitsfortschritte gemessen worden, behaupteten damals die Forscher.

Nur: In den 1960er-Jahren waren Büros noch eine weitgehende Männerdomäne, die errechnete Idealtemperatur war demnach auf sie ausgelegt.

Eine Frage des Geschlechts

Eine Studie der Universität Maastricht zeigt nun, dass dieser Ansatz zu kurz greift. Männer haben einen weit schnelleren Stoffwechsel als Frauen, produzieren also mehr Wärme und fühlen sich deshalb bei niedrigeren Temperaturen wohler.

Frauen leiden bei diesen allerdings, ihre Blutgefäße ziehen sich bei empfundener Kälte stärker zusammen als jene von Männern, sie frieren also nicht nur schneller, sondern auch mehr.

Aus diesen Erkenntnissen schließt die Forschergruppe aus Maastricht, dass es die ideale Raumtemperatur für Büros nicht gibt. Es gibt vielmehr eine ideale Raumtemperatur für Männer und eine für Frauen. Erstere liegt bei 22 Grad Celsius, letztere bei 24,5 Grad.

Der Zoff über das „Zu kalt“ oder „Zu heiß“ geht also weiter, es sei denn, in einem Büro sitzen ausschließlich Männer oder ausschließlich Frauen.

Dann dürfte es ruhiger werden …

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